Hurricane Sandy

Hurricane Sandy im Anmarsch

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Kapitel 8

Ein weiterer Grund, warum wir auch nach New York wollten, war das gute Wetter. Mehr Sonnenstunden im Jahr als Barcelona und trotzdem normale Jahreszeiten hörte sich, zusätzlich zu allem anderen, sehr verlockend an.

Die Überschrift des Kapitels lässt es vermuten, unsere Vorstellung vom guten Wetter in New York sollte sich schlagartig und viel schneller als uns lieb war, radikal verändern.

Gerade erst waren wir in unsere schöne, neue Wohnung eingezogen, die außerdem einen tollen Blick auf den Hudson River zu bieten hatte.
Unser Container aus Deutschland war rechtzeitig angekommen und wir konnten, mit der uns angeborenen Gründlichkeit, innerhalb kürzester Zeit alle Möbel und sonstigen überflüssigen Schnickschnack, schön ordentlich, in dem uns zur Verfügung stehenden Raum verteilen.

Einen Keller gab es übrigens nicht wirklich, was uns vorher auch nicht so ganz klar war.
Da war lediglich so eine Art ziemlich kleine Gitterbox, die man für absolut lächerliche $1000 pro Jahr mieten konnte und leider auch musste, weil für manche Dinge einfach nicht genügend Platz in der Wohnung war. Da das aber oft nicht ausreicht und nicht jeder Lust hat, soviel Geld für das Einlagern von gebrauchten Kleidern und Unmengen von Schuhen seiner Frau zu bezahlen, die sie so oder so nie wieder anzieht, aber irgendwie leider noch nicht wegwerfen möchte, es könnte ja noch eine passende Gelegenheit kommen, fast jeder Mann weiss jetzt genau wovon ich schreibe… – in jedem Fall lagern viele New Yorker diese unverzichtbaren „Schätze“ mit Hilfe von Firmen ein, die das Zeug sogar persönlich abholen und insgesamt etwas billiger sind als der teure „Storage“ im Keller.

Wir haben das aber nicht auch noch gemacht. Ich habe mich strikt geweigert, noch mehr „überlebensnotwendige“ Kleidungsstücke irgendwo einzulagern. Ich warte so oder so schon immer viel zu lange, bis die rote Bluse oder das schwarze Top oder der rote Bikini, oder das Twin-Set oder was auch immer… anprobiert sind und wir dann endlich zum Einkaufen in den Supermarkt gehen können… 😉 – Natürlich muss ich jetzt schreiben, dass das etwas übertrieben ist und ich bis heute immer noch nicht weiss, worum es sich bei einem Twin-Set genau handelt!

Wir hatten es uns also gerade in unserer neuen Wohnung gemütlich gemacht, als kurz danach die allererste New Yorker Party-Einladung bei Heike anstand.

Die Aussicht aus dem Riverhouse
Die Aussicht aus der neuen Wohnung

Unsere Vorfreude war entsprechend groß – und es sollte tatsächlich auch ein sehr lustiger Abend werden. Es gab viel Wein und leckeren Käse, der mit einer Art Kreishobel von einem größeren Käsestück abgeschabt wurde. Die Gäste waren ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, vom Fotografen bis zum Unternehmensberater.

Heike und Mahmoud’s Wohnung war, wie nicht anders zu erwarten, eine mit sehr viel Liebe zum Detail eingerichtete Altbauwohnung mit wundervoller Atmosphäre und vielen interessanten Fundstücken aus der ganzen Welt.

Der Abend verlief richtig fröhlich und sehr entspannt – und so war es nur zu natürlich, dass wir alle relativ viel von dem leckeren Wein tranken, den Heike wahrscheinlich für viele Dollar eingekauft hatte.
Alkohol ist in New York nämlich im Vergleich zu Deutschland unendlich teuer. Außerdem glauben die meisten New Yorker, dass Weinflaschen unter $50 nur so eine Art übel schmeckenden Brennspiritus enthalten.

In jedem Fall war Heike’s Wein hervorragend! Als wir irgendwann spät in der Nacht ziemlich beschwipst mit dem Taxi nach Hause fuhren, ahnten wir noch in keiner Weise, was uns am nächsten Morgen erwarten sollte.

Gut, wir ahnten schon, dass uns unsere drei Kinder, wie immer viel zu früh, aus den Federn holen würden. Mit Kindern im Kindergartenalter hat man dieses „Vergnügen“ sozusagen serienmäßig mit eingebaut.

Unsere Kleinen weckten uns also schon „ganz natürlich“ kurz nach 7 Uhr und Rafael, der gerne viel und genüsslich isst, verspürte, wie eigentlich immer, „Hunger“ – oder zumindest das Bedürfnis, sich an den leiblichen Genüssen dieser Welt zu erfreuen.

Insoweit war alles noch ganz normal!

Unser deutscher Babysitter Gini hatte in der Party-Nacht gut auf die Kinder aufgepasst und sie etwas länger aufbleiben lassen, was aber Rafael keineswegs daran hinderte, seine üblichen Bedürfnisse zur üblichen Zeit zum Ausdruck zu bringen. Sonntags gibt es bei uns nämlich immer ein spezielles Rührei, das nicht nur Rafael, sondern wir alle sehr gerne essen.

Nach einer leider fruchtlosen Diskussion über das Schlafbedürfnis von Eltern, hatten uns dann alle Kinder irgendwann so weit, dass wir die unbedingte Notwendigkeit unseres Wachseins erkannten und uns aus den Federn quälten. Leichte Kopfschmerzen, trotz oder gerade wegen des sehr guten Weins, trugen nicht wirklich zu einer Verbesserung unserer allgemeinen Lebenssituation bei. Aber so ist das eben, unsere kleinen Raubtiere wollten gefüttert werden.

Nachdem Kris ihrer Verpflichtung als Köchin „endlich“ nachgekommen war und das Frühstück fertig zubereitet hatte, saßen wir alle, mehr oder weniger gut gelaunt, am hübsch gedeckten Frühstückstisch, aßen und genossen dabei unsere schöne neue Aussicht.

Sehr verwundert schauten wir jedoch plötzlich auf unsere vibrierenden Handys, die in Amerika „cell phones“ heißen, als wir eine offizielle Nachricht bekamen, umgehend den Fernseher anzuschalten.

In New York ist es tatsächlich so, dass jeder, der dort im Netz angemeldeten Handybesitzer, per Textnachricht von den öffentlichen Behörden erreicht werden kann. Dafür bedarf es keiner gesonderten Zustimmung – oder vielleicht stand da doch irgendwo irgendwas, in einem dieser unendlich langen, unsäglichen Verträge, die man in den USA so gerne komplett blind unterschreibt.

Ich wette ja, dass es keinen Menschen auf dieser Erde gibt, der jemals das Kleingedruckte von all diesen sinnlosen „Disclaimers“ (Haftungsausschluss), die wir oft per Knopfdruck bestätigen, bis zum Ende gelesen hat.
Wozu auch? Wir haben höchstwahrscheinlich ziemlich schlechte Karten, wenn wir Apple oder Samsung dazu bringen wollten, Paragraph 97 Absatz 3 Zeile 12 der allgemeinen Nutzungsbedingungen, nach unseren Wünschen zu ändern, bevor wir unser teures, neues Handy benutzen. Also klicken wir auf „okay“, ohne dass es wirklich „okay“ wäre und denken uns nicht viel dabei. Wahrscheinlich ist selbständiges Denken heute auch keine richtig nützliche Eigenschaft mehr… 😉

In jedem Fall summten plötzlich unsere Handys – und unterbrachen die sonntägliche Ruhe unseres Frühstücks. Jeder, der mehr als ein Kind hat, weiss jetzt, wie man sich diese „Ruhe“ ungefähr vorstellen muss.

Natürlich hatten wir schon davon gehört, dass in den nächsten Tagen mit starkem Wind, teilweise in Orkanstärke, zu rechnen war. Erfreut waren wir darüber nicht, weil es so gar nicht zum immer schönen Wetter in New York passen wollte, aber auch in Karlsruhe hatten wir schon Naturereignisse, wie den Orkan Lothar, erlebt und wähnten uns entsprechend sicher, in unserem gut ausgestatteten Apartmenthochhaus.

Bürgermeister Bloomberg sah das aber unglücklicherweise vollkommen anders!

Nachdem ich den Fernseher angeschaltet und ein paar Sätze lang andächtig gelauscht hatte, was uns denn Herr Bloomberg unbedingt erzählen wollte, wurde mir schlagartig klar, dass das Wort „Evacuation„ nichts Gutes bedeutete. Auch folgerte ich blitzschnell und messerscharf, dass die „Zone A“, die er immer wieder erwähnte, irgendwo an der Südspitze von Manhattan liegen musste.

Und wo genau liegt Battery Park City? Richtig geraten oder vielleicht sogar gewusst! Genau an der Südspitze von Manhattan…

Schnell habe ich dann mal auf dem Laptop gegoogelt, ob das nicht vielleicht doch eine Wiederholung der Neujahrsansprache von vorigem Jahr war… aber nein, das passierte alles gerade in diesem Moment und die Zone A umfasste eindeutig den Bereich, in dem wir seit ganz kurzer Zeit wohnten.

Die Evakuierung war zwar anscheinend freiwillig, aber dringend angeraten. Das wiederholte er so oft, dass sich das Gefühl von Freiwilligkeit nach kurzer Zeit verflüchtigte.

Als ich Kris endlich mit lautem Rufen vor den Fernseher locken konnte und sie sich das Ganze angehört hatte, stammelte sie „Also das… krieg ich… jetzt echt nicht… auf die Reihe. Waaaaas will der?“.
„DER – ist der Bürgermeister und DER sagt, wir sollen uns jetzt mal ganz schnell von hier verkrümeln und in Sicherheit bringen, weil sich Hurricane Sandy auf dem Weg hierher befindet!“ – worauf mir Kris dann, unzählige Male, die gleiche Information bezüglich dieser ominösen „unkriegbaren Reihe“ zuteil werden lies.

Behutsam versuchte ich ihr, unter Berücksichtigung des offensichtlich noch vorhandenen Restalkoholgehalts, beizubringen, dass diese Reihe jetzt gerade gar nicht wichtig sei, weil wir einfach ganz schnell eine Bleibe für eine fünfköpfige Familie plus Katze finden müssten.

Sie wollte aber einfach nicht davon ablassen, „das jetzt nicht auf die Reihe“ zu bekommen oder bekommen zu wollen. Insofern hatte ich wirklich keine andere Wahl… Ich musste einfach ausflippen und schreiend durchs Wohnzimmer laufen. „Wir müssen hier weg! Verstehst Du? Weg!!! – Deine Reihe hin oder her! Wenn wir jetzt nicht sofort nach einem Hotel suchen, wird das nichts mehr. Wahrscheinlich suchen gerade noch ein paar Hunderttausend andere New Yorker nach einer kurzfristigen Übernachtungsgelegenheit.“

„Glücklicherweise“ klopfte es dann auch fast im selben Moment an unserer Wohnungstür und wir wurden von einem Mitarbeiter der Hausverwaltung dazu aufgefordert, umgehend die Wohnung zu verlassen, weil sie in jedem Fall Strom und Wasser abstellen würden. Obwohl er nichts von einer „Reihe“ erwähnt hatte, war es mal wieder so, wie das ja in jeder regulären deutschen Ehe der Fall ist, die Frau hörte s-o-f-o-r-t auf diesen ihr ziemlich fremden Mann, während ich wahrscheinlich noch hundert Mal das Gleiche hätte wiederholen können.

Jetzt war also klar, wir mussten weg! Aber wohin??

Ein tierfreundliches Hotel sollte es sein, möglichst mit zwei getrennten Zimmern und in Manhattan und mit Aussicht auf den Hudson, möglichst aber nicht zu weit entfernt von unserer Wohnung, damit wir leicht wieder nach Hause kommen konnten, wenn sich Bloomberg doch als maßloser Wichtigtuer und Übertreiber herausstellen sollte.

Ja, ich glaube, die Frau am anderen Ende der Leitung hat ganz kurz gestutzt, als ich meine/unsere Wünsche geäußert hatte, um mir dann rasch, aber bestimmt mitzuteilen, dass alle Hotels in Manhattan, die unseren Bedürfnissen entsprechen würden, schon seit ca. 2 Stunden ausgebucht waren. Also ungefähr kurz nachdem Bürgermeister Bloomberg gesprochen hatte und wir gerade mit der Reihe beschäftigt waren.

Es gab jetzt also nur noch ein einziges Hotel in nicht allzu weiter Entfernung, das auch Tiere aufnahm – und das war in New Jersey, genauer gesagt in Secaucus, auf der anderen Seite des Hudson River.

New Jersey ist für die New Yorker ungefähr so etwas, wie die Pfalz für die Karlsruher. Dort auf der anderen Seite des Rheins, in der Pfalz, wohnen angeblich nur Menschen, die nicht wirklich auf der Höhe der Zeit leben, etwas minderbemittelt sind, nicht Auto fahren können und einen schwer verständlichen, vom pfälzischen Wein geprägten Dialekt sprechen. Das ist natürlich kompletter Blödsinn und lustigerweise sagen die Pfälzer fast das Gleiche über die Karlsruher…

In jedem Fall sollten wir jetzt in die Pfalz von Amerika – auf der anderen Seite des Hudson!

Nachdem wir in Windeseile (aber ohne jede Hilfe des Windes, der sich jedoch schon an den Fenstern bemerkbar machte), die Koffer und das Katzenklo gepackt hatten, machten wir uns rasch auf den Weg nach unten.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch, dass unser wirklich schönes Katzenklo, eben kein normales hundsgewöhnliches Katzenklo aus leichtem Plastik ist, sondern durch ausgefeiltes Design besticht und besonders hochwertig, d.h. schwer, verarbeitet ist. Natürlich macht das einem richtigen Mann, wie mir, überhaupt nichts aus, sondern zeigt nur, dass man genügend Muckis hat, um auch schwerste Gegenstände federleicht aussehen zu lassen – wenn da nicht noch diverse Koffer und ein Katzenkorb inklusive Katze zu schleppen bzw. ziehen gewesen wären. (Warum gibt es eigentlich das Wort hundsgewöhnlich, aber nicht katzgewöhnlich?)

Als wir endlich mit unserer Karawane unten auf der Strasse ankamen, waren überall schon „niedliche“ Betonsperren aufgebaut, die entweder vor dem Hochwasser oder möglichen Plünderungen schützen sollten. Beides stellte ich mir nicht besonders prickelnd vor.

Das Hotel Conrad
Vorbereitungen auf Hurricane Sandy

Da standen wir also und hofften auf die sonst übliche Flut (auch wenn das Wort „Flut“ hier etwas unpassend wirkt) an gelben New Yorker Taxis. Aber natürlich war weit und breit kein Taxi zu sehen, was eventuell daran liegen konnte, dass noch ein paar hunderttausend andere Menschen versuchten irgendwie, irgendwas auf die besagte Reihe zu bekommen.

Plötzlich entdeckten wir aber dann doch ein Taxi… wir holten erstmal tief Luft, als der nette, wahrscheinlich indische Taxifahrer, in ungefähr 20 Metern Entfernung, das Fenster öffnete und uns fragte „Wäärrr du juh wond du gou?“ (= „Where do you want to go?“ auf indisch) – unsere Antwort „New Jersey“ schien ihm aber leider nicht besonders gefallen zu haben, weswegen er sofort das Fenster wieder schloss und blitzschnell davon fuhr.

Ich habe dann noch in „typisch deutscher“ Manier und ziemlich wütend, versucht ein Foto von seinem Nummernschild zu machen, weil Bloomberg es den Taxifahrern schon lange verboten hatte, einfach Fahrten abzulehnen. Aber alles Fluchen und Fotografieren half nichts, wir mussten weiter suchen.

Immer mehr beschlich mich dabei ein äußerst mulmiges Gefühl. Was sollten wir tun, wenn wir kein Taxi bekommen würden? Die New Yorker U-Bahnen fuhren nicht mehr, wie Bloomberg es angekündigt hatte und freie Taxis waren nirgendwo zu sehen. Nur Horden von Menschen, die jedem vorbeifahrenden Auto wie wild und zunehmend verzweifelt winkten. Die meisten Autos waren so oder so schon voll belegt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ein wenig schwarzseherisch sah ich uns schon zu Fuß mit Gepäck, Katze und Katzenklo durch Manhattan rennen, während eine 200 Meter hohe Welle hinter uns die Stadt überflutete!

Im Nachhinein hört sich das natürlich irgendwie lustig an, aber in der entsprechenden Situation kommt einem, der sonst reichlich vorhandene Humor, dann doch ein wenig abhanden.

Glücklicherweise und wie aus dem Nichts (oder den unendlichen Weiten des Weltalls) kam plötzlich ein weiteres Taxi um die Ecke gefahren (oder vielleicht gerade von einer Zeitreise zurück) und hielt tatsächlich direkt neben uns an.

Auch dieser nette Taxifahrer war nicht begeistert von der Idee, durch den Tunnel unter dem Hudson nach New Jersey fahren zu müssen. Man muss dazu wissen, es gibt nur eine Brücke nach New Jersey von Manhattan aus und die ist ganz weit im Norden. Der Taxifahrer klärte uns außerdem erstmal darüber auf, dass in ca. 60 Minuten der Tunnel geschlossen würde und er bis dahin wieder zurück sein müsste. Tolle Aussichten, dachte ich und begann den netten Mann mit Geld und Mitgefühl zu motivieren – was letztendlich funktionierte.

Also stiegen wir ein und waren glücklich. Wir hatten ein Taxi gefunden, dass uns in unser sicheres Hotel in New Jersey bringen sollte. Wir fühlten uns irgendwie sehr erleichtert und „gerettet“!

Ja, und dann fuhr er los, der nette Taxifahrer. Schon nach den allerersten Metern beschlich mich das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimme. So fahrig und unruhig hatte ich bis jetzt noch keinen Taxifahrer erlebt und in New York erlebt man wirklich vieles, wenn man öfter mal Taxi fährt.

Dauernd schniefte er und rieb den Finger an seiner Nase. Außerdem lies er, alle paar Meter, mit mindestens einer oder sogar beiden Händen das Lenkrad los und erzählte, wild gestikulierend, irgendwelche unglaublichen Stories darüber, was er schon alles in New York erlebt hätte. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, was er von sich gab, weil ich ununterbrochen darüber nachdachte, was ich tun müsste, wenn er die Kontrolle über sein altes klappriges Taxi verlieren würde.
Auch der immer wieder schöne Blick auf die Skyline von New York, auf der anderen Seite des Hudson, konnte mich nicht davon abbringen, um das Leben meiner Familie zu bangen. Aber was hätte ich tun sollen? Wir hatten keine Zeit mehr und es gab absolut keine freien Taxis mehr.

Wir mussten jetzt mit diesem und keinem anderen Taxi in unser Hotel!

Kris hatte auf der Rückbank ebenfalls bemerkt, dass unser Taxifahrer offensichtlich nicht ganz bei Sinnen war und deutete mir an, dass er sich wahrscheinlich irgendetwas die Nase hoch gezogen hatte… irgendwie beruhigend sich in so einem klapprigen Taxi, mit einem koksenden Taxifahrer, auf der Flucht vor einer 200 Meter hohen Welle zu befinden.

Was, wenn ihm plötzlich einfiel, während die Welle immer näher kam, dass er noch dringend sein Kokain aus dem Kofferraum holen musste, um sich eine letzte „Line“ die Nase hochzuziehen? Oder er vielleicht im totalen Drogenrausch, die erfrischende Überflutung genießen wollte?

Immerhin, noch fuhr das Taxi und wurde sogar sporadisch von dem netten, zugedröhnten Fahrer in die korrekte Richtung gelenkt… 😉

Nach einer nicht enden wollenden Fahrt kamen wir dann aber doch – endlich – in unserem erstmal sehr solide aussehenden dreistöckigem Hotel an.

Anjella freute sich augenblicklich, dass wir in diesem schönen Steinhotel sicher gut aufgehoben sein würden. Ohne es jemanden von der Familie merken zu lassen, klopfte ich jedoch beim Vorbeigehen an die mit Betonplatten verkleidete Wand. Das hätte ich vielleicht nicht tun sollen… Das waren keine Betonplatten!

Wir hatten also unser schönes, modernes, erdbebensicheres, aus Stein gebautes Hochhaus gegen ein Papmaché-Holz-Hotel eingetauscht. Anjella nickte ich natürlich nur aufmunternd zu, aber Kris hatte ebenfalls geklopft und das Gleiche bemerkt. Wir schauten uns an und die Freude in unseren Augen verwandelte sich schlagartig in blankes Entsetzen, aber wir konnten es ja nicht unsere Kinder merken lassen.

Ich glaube, jeder hat schon einmal einen Filmbericht, über vom Sturm komplett zerlegte amerikanische Holzhäuser, gesehen. Tja und wir waren jetzt in ein solches aus „Sicherheitsgründen“ geflüchtet. Das machte schon irgendwie vollkommen Sinn!

Nachträglich noch einmal vielen Dank Herr Bloomberg für dieses wunderschöne Erlebnis!

Der Eingang unseres Hotels in Secaucus
Der Eingang unseres Hotels in Secaucus

Wenigstens war aber unser Zweibettzimmer ganz nett möbliert und mit zwei Fernsehern ausgestattet. Multimediale Berieselung hilft ja über so manches Problem in der realen Welt hinweg. Das weiss niemand besser als unsere Kinder, die schon ganz instinktiv vor dem Fernseher saßen, als er noch gar nicht angeschaltet war.

Tatsächlich wurde der Wind immer stärker und das, nur eine Querstraße weit entfernte, Überschwemmungsgebiet (wie ich erst im Hotel mit Hilfe von Google heraus gefunden hatte) erinnerte mich nicht im Entferntesten an einen Badeurlaub auf dem stürmischen Kreta. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass das Schicksal noch ein paar blöde Späße mit uns treiben wollte, bevor uns dann die Welle überrollte.

Insofern ist es vielleicht auch nachvollziehbar, dass ich mich bei schon sehr heftigem Sturm aus dem Hotel traute, um die Gegend nach möglichen rettenden Alternativen abzusuchen.
Und es gab da wirklich eine Brücke, die zwar keine 200 Meter hoch war, aber mir doch zumindest hoch genug erschien, um im Zweifelsfall als Rettungsinsel zu dienen.

Kris war nicht wirklich beruhigt, als ich ihr von meiner Entdeckung erzählte, aber zumindest ich glaubte, alles jetzt noch Menschenmögliche getan zu haben.

Natürlich kann man sich jetzt die Frage stellen, warum wir nach der Ankunft in New Jersey nicht versucht haben, doch noch etwas weiter weg vom Gefahrenherd zu kommen.

Wir hatten, eingeschlossen in unser Schlafzimmer, kurz darüber diskutiert, aber schnell festgestellt, dass wir ja weder wussten wo der Sturm genau langziehen sollte, noch ob das nächste Hotel dann ein Steinhotel sein würde. Außerdem wurde jetzt schon an vielen Stellen der Strom abgeschaltet und unsere Mobiltelefone konnten teilweise keine Anrufe mehr tätigen oder Textnachrichten z.B. nach Deutschland versenden. Auch fuhren in New Jersey keinerlei Taxis mehr, was aber nicht daran lag, dass die Leute dort, wie eben die Pfälzer, nicht Auto fahren können.

Also waren wir nach der „lustigen“ Taxifahrt erneut in so einer Situation, in der es nur die Möglichkeit gab, sich einfach dem Schicksal mehr oder weniger blind zu ergeben.

Ein Hinweis im Hotel
Ein Hinweis im Hotel

In der Nacht kam sie dann, die wirbelnde Sandy! Sie rüttelte und schüttelte und goss kübelweise Wasser über uns aus – wir lauschten angespannt und dachten immer wieder, „Jetzt, ja jetzt, geht’s gleich richtig los!“.

Die Fernsehbilder aus New York, im speziellen aus unserer Wohngegend, sahen ebenfalls nicht wirklich beruhigend aus. Eine Freundin war mit Ihrer Familie in Manhattan geblieben und schickte uns Bilder, wie in einer Parallelstraße hinter unserem Gebäude, der komplette sichtbare Bereich überflutet wurde. Irgendwann wurde es jedoch zu dunkel und wir konnten keine Textnachrichten mehr senden, so dass wir nicht mehr wussten, was dort weiter vor sich ging.

West Street unter Wasser
West Street unter Wasser

Die Übertragungswagen der TV Sender zogen sich jetzt ebenfalls aus unserem Gebiet zurück, weil es zu gefährlich wurde. Wir hatten aber weiterhin TV Empfang, was uns ein wenig beruhigte. Was soll schon passieren, wenn der Fernseher immer noch funktioniert?

Es blies heftig und heftiger, aber es wurde nicht so schlimm wie erwartet!

Insofern konnten wir irgendwann sogar recht gut schlafen, wenn wir auch sicherlich deutlich später und unruhiger schliefen als an normalen Tagen – ohne zu-gekoksten Taxifahrer und Hurricane.

Am nächsten Morgen war der ganze Spuk vorüber und es gab nur noch etwas Regen und Wind. Wir fühlten uns fast wie neugeboren! Trotz all der Aufregung war uns nichts passiert. Wir hatten alles richtig gemacht, glaubten wir.

Leider sahen wir dann aber noch jede Menge wirklich schrecklicher Bilder im TV, von Gegenden, die den Sturm nicht so gut überstanden hatten wie wir.

Dass wir noch einen weiteren Tag im Hotel bleiben sollten, weil wir, nach Auskunft des Hotels und Mitteilungen der TV-Sender, noch nicht nach New York zurückkehren durften, empfanden wir als erstmal gar nicht so schlimm.

Auch unsere süße Katze Sheila hatte, wie immer, alles klaglos mitgemacht und sich, über das mitgenommene Designer-Katzenklo, im wahrsten Sinne des Wortes, tierisch gefreut. Die Jungs konnten den ganzen Tag fernsehen, weil wir, wegen möglicherweise herumfliegender Gegenstände, immer noch nicht unbedingt nach draußen gehen sollten. Das Internet ging weiterhin und man konnte auf Facebook so manche abenteuerliche Story von mehr oder weniger befreundeten New Yorkern nachlesen.

Die Freude nach der Sandy-Nacht
Die Freude nach der Sandy-Nacht – Kris mit Rafael
Die Freude nach der Sandy-Nacht
Die Freude nach der Sandy-Nacht – Kris mit Quentin
Die Freude nach der Sandy-Nacht
Die Freude nach der Sandy-Nacht – Kris mit Anjella

Im Laufe des Tages gelang es mir dann doch tatsächlich auch noch, ein Auto der New Yorker Car Sharing-Firma Zipcar in Hotel-Nähe ausfindig zu machen. Ich reservierte es gleich für den nächsten Tag – und erzählte der Familie freudig, dass wir, obwohl immer noch keine Bahnen und Taxis nach New York fuhren und fahren durften, Morgen mit dem besagten Leihwagen nach New York fahren würden.

Der nächste Morgen kam und ich war mir nicht ganz sicher, wie ich zu dem Stellplatz des Zipcar-Autos kommen sollte. Taxis fuhren immer noch keine, aber eine Mitarbeiterin des Hotels bot mir dann freundlicherweise an, mich privat dorthin zu fahren.

Als wir aus den Hotel kamen und auf die oben schon erwähnte Brücke fuhren, war meine Verwunderung relativ groß, als ich überall Straßensperren sah, die den Weg zu unserem Hotel verriegelten. Auf Nachfrage erklärte mir meine Fahrerin, dass das Wasser doch bis zur Querstrasse hinter unserem Hotel gekommen sei, aber glücklicherweise nicht weiter!!

Mir brach und bricht jetzt noch der Schweiß aus, wenn ich daran denke. Das war ja wirklich haarscharf. Auch Kris fiel die Kinnlade herunter, als ich ihr später davon erzählte.

In solchen Situationen fällt mir dann immer dieser Spruch ein, den mein Vater gerne mal zu passenden und unpassenden Gelegenheiten zum Besten gab: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Gut, eine Reise war das jetzt nicht gerade, aber zumindest hatten wir schon jetzt eine Menge zu erzählen…

Auf dem Weg zum Abstellplatz des Autos sahen wir dann überall entwurzelte Bäume und allerlei Gegenstände, wie Mülleimer, Plakate oder Verkehrsschilder, die sich nicht dort befanden, wo sie eigentlich hin gehörten. Aber im Großen und Ganzen sah alles gar nicht so schlimm aus, wie es alle erwartet hatten.

Nach ca. 10 Minuten Fahrt kamen wir in der Nähe des riesigen Parkplatzes an, auf dem das besagte Auto stehen sollte. Aus der Entfernung sah ich überhaupt kein einziges Auto und dachte schon „Was für eine Pleite!“. Kein Auto, keine Rückkehr nach New York und noch eine weitere Nacht in dem schon irgendwie akzeptablen Hotelzimmer, aber eben nicht in unserer gemütlichen, neuen Wohnung. Die enttäuschten Gesichter meiner Familie – und unserer Katze – sah ich schon plastisch vor mir. 😉

Wir fuhren jedoch noch etwas näher an den Parkplatz heran und plötzlich tauchte da, einsam und verlassen, ein Auto mitten auf dem riesigen Parkplatz auf. Wir konnten es vorher nur nicht sehen, weil ein kleines Gebäude unsere Sicht versperrt hatte.
Man darf sich jetzt aber hier keinen normal großen Parkplatz, wie in Deutschland, vorstellen. Vielmehr einen richtig riesengroßen deutschen Parkplatz und den dann ungefähr fünf bis zehn mal so groß…

Dummerweise gab es da eine Schranke und die war, wie nicht anders zu erwarten, geschlossen. Außerdem war das Gelände komplett von einem hohen Zaun umgeben.

Meine Fahrerin lies mich vor der Schranke aussteigen. Ich bückte mich unter der Schranke hindurch und lief über den riesigen Parkplatz auf das Auto zu. Weit und breit war niemand zu sehen, aber für Zipcar benötigt man normalerweise auch niemanden, weil man das Auto mit einer Art Kreditkarte von außen öffnen und dann direkt los fahren kann.

Als ich beim Auto ankam, hielt ich die Karte an den Kartenleser und es passierte…. nichts! Das Auto öffnete sich nicht. Trotz einigen Versuchen und diversen typisch deutschen Flüchen, wie „Himmelarschundzwirn“, änderte sich daran nichts.

Immer noch hielt ich Ausschau, ob denn da nicht doch irgendwo jemand wäre, der mir hätte helfen können. Aber da war niemand. Wo auch!? Es stand ja nur dieses eine Auto hier und dann war da noch dieses winzig kleine Häuschen, aber auch dort konnte ich aus der Entfernung niemanden entdecken.

Ich versuchte es erneut und fühlte mich ganz schön alleine und verlassen, obwohl meine Fahrerin, ein ganz schönes Stück entfernt, immer noch in ihrem Auto darauf wartete, ob sich etwas bei mir tat.

Plötzlich klingelte mein Telefon – und es war eine nette Dame von Zipcar am Apparat, die von mir wissen wollte, ob ich gerade versucht hatte, dieses Auto im Nirgendwo zu öffnen.

Ich bejahte und sie öffnete mir das Auto einfach per Satelittenfernbedienungszauberei. Genial!

Allerdings, sagte ich zu ihr, ist da noch eine Schranke und ich habe keine Ahnung, ob sie sich öffnen lässt. Ich hatte natürlich keine Antwort von ihr erwartet. Wie konnte sie darauf eine Antwort haben? Eigentlich vollkommen unmöglich…. aber… sie hatte sogar darauf eine Antwort.

Sie meinte, da müsste irgendwo ein kleines Häuschen zu sehen sein und dort sollte eigentlich jemand sitzen, der die Schranke öffnen könne. Ungläubig schaute ich in die Richtung und konnte mir nicht so recht vorstellen, dass sie Recht haben könnte. Ich sagte ihr, dass ich mit dem Auto über den Parkplatz dort hinfahren und es versuchen würde.

Ich setzte mich also ins Auto und freute mich schon mal darüber, dass es wenigstens sofort ansprang.

Meine Fahrerin aus dem Hotel fuhr in diesem Moment natürlich davon, weil sie dachte, dass damit ja jetzt alles erledigt sei. Ich war mir dessen noch nicht so sicher. Was, wenn niemand in dem Häuschen saß und ich die Schranke nicht aufbekam? Taxis fuhren immer noch keine und die gesamte Umgegend rund um den Parkplatz war menschenleer. Ich stellte mir schon vor, wie ich à la James Bond mit den Auto die Schranke durchbrach oder über eine selbstgebaute Rampe den Parkplatzzaun übersprang.

Aber das war glücklicherweise gar nicht nötig!

Als ich mich dem Häuschen näherte, kam da tatsächlich ein Mann herausgelaufen. Ich lachte so laut, wie schon seit ein paar Tagen nicht mehr. „Das gibt’s doch gar nicht!“ Da sitzt, irgendwo im Nirgendwo, ein Mann in einem Häuschen auf einem riesigen Parkplatz, nur darauf wartend, dass irgendwer wegen eines einzigen Autos vorbei kommt, um dann die Schranke zu öffnen!?

So was gibt es wirklich nur in den USA!

Zuerst fragte ich ihn natürlich, ob er auch den Sturm hier verbracht oder einfach vergessen hätte, nach Hause zu gehen. Amüsiert erwiderte er, dass er heute ganz normalen Dienst hätte und dieser Parkplatz normalerweise voll mit Autos wäre. Die Tatsache, dass der Zug nach New York (Path) nicht fuhr, würde allerdings zu einem eher unterdurchschnittlichen Arbeitsaufwand am heutigen Tag führen. Wir lachten beide laut und freuten uns, dass wir das ganze Unwetter unbeschadet überstanden hatten.

Unglaublicherweise konnte er sogar die Schranke öffnen – und ich fuhr fröhlich und beschwingt zurück, um meine Familie abzuholen.

Ich hatte mir glücklicherweise den Weg gut gemerkt, weil die Navigation auf meinem Mobiltelefon irgendwie keinen Empfang hatte.

Unser Fluchtauto
Unser Fluchtauto von Zipcar

Im Hotel angekommen, freuten sich alle riesig und das Auto war so schnell gepackt, wie glaube ich bis jetzt noch nie, seit wir eine fünfköpfige Familie (plus Katze) waren.

Der Weg nach New York war natürlich ebenfalls noch sehr spannend, weil wir unterwegs im Radio davon hörten, dass mindestens zwei Tunnel teilweise überflutet worden waren und wir nicht genau verstehen konnten welche. Nach etwas Sucherei, wegen des nicht funktionierenden GPS, fanden wir dann doch den richtigen Tunneleingang.

Es gab nicht den sonst üblichen Stau am Tunneleingang. Möglicherweise deswegen, weil sich die meisten Sturm-Flüchtlinge noch nicht auf den Heimweg begeben hatten. Als wir in New York aus dem Tunnel kamen, verstanden wir rasch warum.

Während New York sonst vollkommen mit viel zu vielen lärmenden Autos überfüllt ist, fuhren an diesem Tag fast überhaupt keine Autos. Viele Straßen waren immer noch komplett abgesperrt. Die Läden und Restaurants waren alle geschlossen und hatten offensichtlich auch nur teilweise Strom. Überall sah man aufgetürmte Müllberge und wiederum wild winkende Menschen, die irgendwohin mitgenommen werden wollten. Unser Auto war aber leider voll bis unter das Dach. Eine Katze hätten wir vielleicht noch zusätzlich mitnehmen können, aber ich sah keine, die gewinkt hätte.

Die ganze Szenerie wirkte ziemlich gespenstisch, aber das Wetter war schon wieder fast so schön, wie wenn nichts gewesen wäre. Noch etwas diesig, zeigte sich die Sonne schon wieder vereinzelt am Himmel.

Durch ziemlich autoleere Seitenstraßen bewegten wir uns in Richtung unseres Apartmenthauses und waren sehr gespannt, ob wir überhaupt so weit kommen würden, weil die West Street, entlang dem Hudson River, in unserer Gegend immer noch komplett unpassierbar war.

Wir schafften es trotzdem, innerhalb relativ kurzer Zeit, nach Battery Park City, weshalb ich mir immer so wenig Autos in New York wünschen würde, aber vielleicht aus anderen Gründen als einem Hurricane.

Natürlich fanden wir erstmal keinen Parkplatz in der Nähe unseres Hauses. Wir parkten einfach in zweiter Reihe und luden erst einmal alles aus. Mit laufendem Warnblinker ließen wir das Auto auf der Straße stehen und betraten die Lobby (Eingangshalle) unseres Gebäudes. Alles schien fast wie immer zu sein. Die Doormen (Pförtner) sahen allerdings sehr übernächtigt und richtig unrasiert aus. Sie hatten die letzten drei Nächte im Gebäude geschlafen, um bei möglichen Überschwemmungen, Plünderungen oder Sturmschäden, das Schlimmste verhindern zu können.

Wir wurden außerdem gleich darauf hingewiesen, dass der Aufzug aus Sicherheitsgründen immer noch nicht in Betrieb war. Strom und Wasser in den Apartments aber schon wieder bereit stünden.

Kein funktionierender Aufzug war natürlich so eine Sache, weil sich unsere Wohnung im 29. Stock befand und wir ja einiges zu Schleppen dabei hatten. Mir grauste es besonders vor unserem „federleichten“ Designerkatzenklo.

Trotz allem betraten wir voller Vorfreude das Treppenhaus und kämpften uns tapfer, Stockwerk für Stockwerk, nach oben. Die Kinder jammerten unglaublicherweise nicht ein einziges Mal und wir schafften es in nur 15 Minuten mit allem Kladderadatsch (ein weiteres dieser schönen deutschen Wörter) bis in unsere Wohnung.

Jede Menge Glückshormone durchströmten nach Erreichen des Ziels die gesamte Familie.

Die Wohnung war komplett heil geblieben. Es sah aus, wie wenn absolut nichts gewesen wäre. Auch unsere Katze Sheila marschierte zufrieden, mit hoch erhobenem Schwanz, durch die Gegend und schnurrte freudig.

Alles funktionierte wieder und sogar das Internet, ohne das man heutzutage ja nur noch bedingt lebensfähig ist, war einsatzbereit.

Kris meinte dann noch „Hattest Du nicht gesagt in New York sei immer schönes Wetter?“, was uns aber nur zum Lachen brachte.

Die schlimme Zeit war überstanden und die Prüfung, bezüglich unseres Überlebenswillens, hatten wir, gemeinsam als Familie, hervorragend gemeistert.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, wer noch alles in unserem Haus wohnte und stellten uns insofern, nur eine weitere, wirklich wichtige Frage:

Wo war eigentlich Leonardo di Caprio die ganze Zeit?

PS: Für alle, die es vielleicht noch nicht mitbekommen haben… Leonardo wohnte tatsächlich auch in unserem Gebäude, allerdings hatten wir ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht getroffen.

Wie wenn nichts gewesen wäre
Wie wenn nichts gewesen wäre

Ende von Kapitel 8


Die immerschöne Heike - Kapitel 7- Kapitelübersicht -Die ewig junge Filmemacherin - Kapitel 9


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2 Kommentar

  1. Sehr spannend und aufregend zu lesen. Konnte mich gut in deine (von Mann zu Mann 😉 ) Situation versetzen…
    Was mich allerdings interessiert: Wie sieht euer Rezept für das Spezial Rührei aus? 😀

    Aber schön das ihr wohlbehalten es überstanden habt. Hoffe das es euch aber auch mehr zusammen geschweißt hat als Familie! beste grüße ausm Badischen 😉

    • Haha! Das Rührei ist ein streng geheimes Familienrezept. Das liegt im Tresor und wird nur an Dienstagen, die auf einen Donnerstag fallen, geöffnet… 😉

      Grüße zurück aus den USA!

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