Der Pop-Up Pool

Downtown Manhattan mit Kayakern

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Kapitel 24

Wer in New York leben möchte oder glaubt, dass es in einer so großen Stadt mit so vielen Menschen Dinge gibt, die er für sich alleine haben kann, sollte mir bitte augenblicklich eine Email oder einen Kommentar schreiben und mir vom Unmöglichen erzählen…

Gerade im Sommer fliehen viele New Yorker aus der Stadt. Zum einen wegen der Hitze, die sich durch den aufgeheizten Betondschungel noch weiter verstärkt und zum anderen, weil trotzdem noch Heerscharen von Touristen in den Ferien in die Stadt strömen. Egal, ob ein Ausflug in den nördlich von New York liegenden State Park oder zu einem der umliegenden Badestrände, alles ist gut, was einem ein wenig Abwechslung von Stress und Hektik der Millionenstadt bringt.

Nachdem wir schon einige Strände rund um New York abgeklappert hatten, fand ich es recht interessant als ich von einem Pop-Up Pool im Brooklyn Bridge Park las.

Der Pool wurde extra für den Sommer dort aufgebaut und war komplett kostenlos! Wie schon früher erwähnt, kommt der Moment im Leben eines jeden New Yorkers, in dem die Freude über kostenlose Dinge vergleichbar ist mit dem Gefühl von 6 Richtigen im Lotto… Okay, zugegeben… 6 Richtige im Lotto hatte ich in diesem Leben noch nicht, also sagen wir, das Gefühl ist vergleichbar mit dem Gefühl nach einem erfolgreichen Börsengang… 😉

In jedem Fall dachte ich, dass der Besuch eines kostenlosen Pools mit Blick auf die Skyline von Manhattan so verkehrt nicht sein könnte. Der Brooklyn Bridge Park an sich ist schon sehr schön und abwechslungsreich. Außerdem ist er auch mit der Fähre von Pier 11 zu erreichen, was dem Ganzen noch einen zusätzlichen Pluspunkt verleiht – und die Anreise sollte bei weitem nicht so zeitaufwendig sein, wie zum Beispiel eine Fahrt nach Rockaway Beach.

Nachdem ich die Familie überzeugt und wir unsere sieben Sachen, die man natürlich mit 5 multiplizieren musste, d.h. fünfunddreißig Sachen gepackt hatten – oder waren es doch eher 350? – gemessen an der Packzeit und der mehrfach verschobenen Abfahrtszeit… machten sich unsere Familienkarawane auf den Weg. Sheila, unsere Katze wollte übrigens nicht mit, was ich wohlwollend zur Kenntnis nahm.

Also erstmal alle in den Aufzug und dann zur Bushaltestelle der Downtown Connection, fast direkt vor der Haustür. In Battery Park City fährt nämlich alle paar Minuten ein kostenloser Bus, der wirklich sehr praktisch ist und ganz Downtown Manhattan abklappert. Glücklicherweise wissen das aber die Touristen nicht und keiner der Leser darf das jemals einem Touristen verraten. Das steht nämlich in den Nutzungsbedingungen dieses Buches… Bedingt durch die Touristenfreiheit findet man nämlich so gut wie immer einen Platz und geniest als New Yorker dieses Insiderwissen sehr.

Leider dauert es manchmal etwas bis der Bus kommt, was von 30 Sekunden bis 15 Minuten gehen kann. Rafael lies uns jedenfalls ca. 31 Sekunden nach dem Erreichen der Haltestelle wissen, dass er jetzt keine Lust mehr hätte hier in der Sonne herum zu stehen. Er wolle entweder sofort baden oder ein Eis, aber am Besten beides.
Kris und ich überlegten kurz, ob wir ihn vielleicht nach Brooklyn schwimmen lassen sollten, verwarfen den Gedanken aber wieder, weil wir nicht wussten, ob Kinder mit Schwimmärmeln im Hudson erlaubt waren – und wir hatten keine Lust schon wieder mit den heiklen amerikanischen Schwimmärmel-Gesetzen in Konflikt zu geraten… 😉

Also warteten wir noch ein paar Minuten auf den Bus und waren äußerst froh, dass wir uns alle erfolgreich dort hinein bugsieren konnten. Unsere großen Badetaschen waren etwas sperrig, aber der Bus war nur halbvoll. Insofern saßen wir alle sehr bequem und stellten die Taschen einfach neben uns. Nach ca. 5 Minuten Fahrt wollte einer unserer Söhne, dessen Namen ich jetzt hier nicht laufend erwähnen möchte, dann wissen, ob es noch weit sei. Kris und ich schauten uns kurz an und das Zucken um Kris’ Mundwinkel bedeutete, dass ich an der Reihe war mit „erklären“.

„Rafael, wir fahren noch ungefähr 10 Minuten mit dem Bus. Dann laufen wir zur Fähre und fahren von dort fast direkt bis zum Pool. Das ist wirklich nicht weit!“ Seine Antwort in einem Ton der tiefsten menschlichen Verzweiflung kam prompt: „Daaaaas kann ich nicht ausssssshalten. Das dauert ja eeeeeeeewig!“ Ich erwiderte „Das ist doch nicht lange!“ und er „Dooooooch, das ist lange!! Außerdem ist’s so heiß hier drin und ich will was zu trinken und ein Eis… ahhhhh… ich kann das nicht aussssshalten…“ So ist er halt unser Rafael. Die unendliche Geduld in Person. Außerdem war der Bus natürlich akklimatisiert und insofern kein bisschen heiß. Ja, teilweise schien die verdammte Sonne durch die Fenster und brachte anscheinend Rafaels „unendliche“ Geduld zum schmelzen.

Nach Trillionen von Lichtjahren erreichten wir dann letztendlich doch die gewünschte Haltestelle, die Pier 11 am nächsten war und liefen bepackt mit unseren 97 Taschen zur Fähren-Haltestelle.

Komischerweise war der Ticketschalter nicht besetzt, was er unter der Woche immer ist. Der Ticketautomat war, wie nicht anders zu erwarten…, außer Betrieb. Wir gingen also davon aus, dass wir die Tickets für die Fahrt auf dem Boot kaufen konnten und setzen uns in die Nähe der Anlegestelle, an der normalerweise die Fähre zum Brooklyn Bridge Park fährt, den man vom Pier 11 sogar schon sehen kann. Die ungefähr fünfminütige Fahrt kostet am Wochenende hin und zurück übrigens $12 pro Person, d.h. insgesamt „nur“ $60 für unsere kleine Reisegruppe.

Jetzt saßen wir aber erstmal hier herum. Dummerweise hing nirgendwo ein Fahrplan, aber wenigstens schien die Sonne und es war nicht zu heiß direkt am Wasser. Unter der Woche fährt die East River Ferry so häufig, dass man eigentlich nie wirklich lange warten muss. Leider war das am Wochenende irgendwie nicht so.

Rafael hatte Hunger und Durst, wollte ein Eis und wiederholte die Frage, ob es noch lange dauern würde, unendliche Male, obwohl wir ihn jedes Mal korrekterweise wissen ließen, dass wir es leider auch nicht wussten.

Wir warteten über eine Stunde in der Sonne und überlegten immer unruhiger, ob wir nicht einfach schwimmen sollten. Tatsächlich werfen sich ganz in der Nähe einmal pro Jahr, beim Brooklyn Bridge Swim, hunderte New Yorker in die Fluten und durchschwimmen den East River, der hier aber alles andere als sauber sein soll.

Ich fragte den weiterhin quängelnden Rafael, was er denn von dieser interessanten Idee halten würde. Seine Antwort war in etwa: „NEEEEEEEIIIIIIN! Papa Du spinnnnnst. NEIN! Ich will nicht schwimmen. Ich habe Hunger und Durst – und ich will nicht länger hier doof rum sitzen. Wann kommt jetzt ennnnndlich die Fähre?“ Obwohl Väter ja normalerweise auf alles eine Antwort haben, hatte ich auf diese Frage leider keine.

Eine andere Familie, die ebenfalls mit uns dort gesessen war und auch nicht wusste, wann die nächste Fähre fuhr, hatte mittlerweile den Bootssteg wieder verlassen.

Wir warteten jetzt schon über eine Stunde und ich versuchte mit Kris einen Notfallplan auszuarbeiten. Quentin und Anjella wurden mittlerweile auch sehr ungeduldig und verstanden nicht, warum uns Herr Bloomberg, der Bürgermeister von New York, nicht einfach einen Hubschrauber schicken konnte, um uns auf die Pop-Up Pool-Seite des East River zu fliegen.

Leider fuhren hier unten auch keine Taxis, außerdem ist das so oder so immer etwas schwierig mit 5 Personen und unserem großem Marschgepäck. Nach etwas hin und her überlegen, beschlossen wir uns von Scotty von Raumschiff Enterprise auf die andere Seite beamen zu lassen… so sehr ich aber gegen den Knopf an meinem T-Shirt drückte, es half alles nichts. Die einzige machbare Vorgehensweise, um auf die andere Seite zu kommen, bestand in einem Fußmarsch zur nächsten Subway-Haltestelle.

Wer auch Kinder hat, kann sich sicherlich gut vorstellen, welche Freude wir unseren Kindern bereiteten, als wir ihnen diese Möglichkeit offenbarten…

Alles in allem benötigten wir über eine quälende Stunde, gespickt mit liebevollen elterlichen Drohungen, wie „Du spielst nie wieder Xbox, wenn Du jetzt nicht weiter läufst!“ oder „ Dein Laptop landet heute Abend im Hudson, wenn Du nicht aufhörst zu meckern.“ – bis wir endlich mit unserer verschwitzten und hungrigen Rebellentruppe im Brooklyn Bridge Park ankamen.

Wenigstens gab es gleich am Eingang einen Eisstand, der die erhitzen Gemüter kurzfristig etwas abkühlen konnte, bis… ja, bis wir den Eingang zum Pop-Up Pool erreicht hatten.

Ist schon toll, was es in New York so alles so gibt, wenn da nur nicht so viele Menschen leben würden! Hatte ich das schon mal erwähnt?

In jedem Fall warteten wir jetzt erstmal mit Millionen anderen in der Wasser-Schlange für den Pool. Obwohl der Pool ja kostenlos war, mussten alle ein Bändchen ums Handgelenk machen und es gab nur eine sehr begrenzte Menge an Badegästen, die ein Bändchen bekam. Wir wurden in die blaue Gruppe eingeteilt, während die Besucher vor uns rote Armbändchen bekam. Aber wozu denn das?

Ganz einfach! Was wir bis gerade eben noch nicht wussten, war die Tatsache, dass jede farblich gekennzeichnete Menschenwasserschlange nur exakt 45 Minuten in den Pool durfte – und sich dann sofort wieder aus dem selbigen zu entfernen hatte. Würde man dann also auf die lustige Idee kommen, noch einmal schwimmen zu wollen, müsste man sich erneut in die Heerscharen schwimmwilliger New Yorker ganz hinten einreihen.

Der Pop-Up Pool in Brooklyn
Der Pop-Up Pool in Brooklyn

Die üblichen Regeln konnte man auch schon wieder beim Warten am Zaun lesen. Man durfte also keine Hüte im Pool tragen, natürlich auch keine extrem gefährlichen Schwimmhilfen. Man durfte keine bösen Worte sagen und nicht in den Pool urinieren oder den Darm entleeren. Man durfte nicht Hyperventilieren oder unter Wasser die Luft anhalten. Letzteres war schon deshalb ausgeschlossen, weil Tauchen so oder so verboten war. Männerbadehosen mussten ein „mesh lining“ besitzen. So ganz genau wusste ich jetzt nicht, was das war, aber es ging wahrscheinlich um die Verhinderung den anderen Badegästen tiefere Einblicke in die männliche Anatomie zu gestatten.

Und so weiter und so fort… was würde die (amerikanische) Menschheit nur ohne diese „hilfreichen“ Regeln tun?

Würde sich das Wasser dann sofort in eine braune Poop-Suppe verwandeln, in der Männer mit Hut, aber ohne mesh-lining herum tauchen würden???

Sehr wahrscheinlich!? Zumindest in der Vorstellung der „Kreativen“, die diese Schilder und Regeln entwerfen.

Wir warteten jetzt also nur noch darauf, dass sich die rote Bändchen-Schlange endlich im Wasser auflöste, damit unsere blaue Schlange, dann endlich auch mal dran kam. Unseren „geduldigen“ Rafael hatten wir einfach versucht in dieser Zeit zu ignorieren, weil das ewige Wiederholen von „Ohhhh…wie lange noch?“ uns auch nicht wirklich zufriedener machte.

Irgendwann war es dann aber so weit!

So richtig groß war der Pool jetzt nicht gerade, aber wenigstens die Aussicht auf Manhattan war cool. Der kleine Bereich neben dran, der an einen Strand erinnern sollte und mit Liegestühlen versehen war, sah ganz nett aus, aber irgendwer hatte anscheinend den sehr wichtigen Warnhinweis vergessen, dass man hier auf gar keinen Fall Muscheln suchen durfte… 😉

Der Strand
Der Strand

Wir verbrachten also unsere unendliche lange Badezeit von 45 Minuten im Planschbecken mit Superaussicht und wurden dann von einer Sirene wieder aus dem Pool und dem wundervollen „Südsee-Feeling“ gerissen…

Ungefähr 3,5 Stunden Anreise inkl. Wartezeit für 45 Minuten Fußzehenbefeuchtung. Ja, genau so, stellten wir uns einen schönen Badetag in New York City vor… 😉

Auf dem Rückweg hatten wir wenigstens mehr Glück mit der Fähre und mussten auch nicht so lange auf den Bus warten. Über was man sich so alles freut, wenn man in dieser Stadt wohnt… 😉

Abendessen gab’s dann vom Schnellimbiss „Shake Shack“ bei uns um die Ecke, den ich wirklich sehr empfehlen kann.

Jetzt endlich war auch Rafael wieder richtig glücklich!

Sonnenuntergang mit Segelboot
Sonnenuntergang auf dem Hudson

Ende von Kapitel 24


Morgens um 6 auf der Parkbank - Kapitel 23- Kapitelübersicht -Auf in die Hamptons und nie wieder zurück - Kapitel 25


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5 Kommentar

  1. Als wir von land zu land in Europa umgezogen sind haben wir unsere 2wochen sommer urlaub immer in Mallorca verbracht unser kind war glücklich mit morgens strand mittags mini club und abeds mini disco gefolgt von unterhaltung fur erwachsens , aber die kinder konnten rum laufen und hatten spas . Als wir nach america umzogen stand nartürlich jeder park auf der lists und jetzt hatten wir 2 kinde . Egal wo wir hin sind konnt ich drauf wetten das eins meiner kinder nach 30 minuten mit mir ist langweilig. Ich hab hunger. Mir ist es zu heiss anfing und jedes mal schworen wir das wir niiieeeee wieder mit den 2 in den urlaub fahrn und jedes jahr danach haben wr doch wieder gepackt und haben 2 wochen lang den motz urlaub über uns ergehn lasssen lol

  2. Dieses jahr hatte ich das Gluck das mein Mann und ich 3 mal ohne die kinder web joint n NYC, Carolina Beach und Orlando . es war der Hummel auf erden und jedesmal wenn ich eltern gesehn hab die das ganze drama mit machen mussten hab ich doch meine kinder und das gemecker vermisst. ☺.ohne das hat einfach was gefaehlt gefählt

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